Kindheitserinnerung an Weihnachten.
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Kindheitserinnerung an Weihnachten.
Ich bin im Berliner Westen der fünfziger Jahre aufgewachsen. In einem ganz berühmten Haus. Den älteren wird der Name des Schauspielers etwas sagen. Er war in Goethes Faust der absolute Mephisto.
Das Haus mit dem Primus Palast in dem die Karriere des Gustav Gründgens begann. Nach dem Krieg wurde der Primus Palast dann ein Kino.
Genau davor fand in der Vorweihnachtszeit der Verkauf von Weihnachtsbäumen statt.
Am Tag vor Heiligabend holte mein Vater den Baum herauf in unsere im 3. Stockwerk gelegene Wohnung.
Er hatte ihn sich vom Händler reservieren lassen. Aber da wir keinen Balkon hatten, blieb er halt dort unten stehen bis er gebraucht wurde. Man hatte ein gutes Verhältnis zueinander. Ab und zu wanderte mal eine Thermoskanne mit heißem Muckefuck oder Tee zu dem durchgefrorenen Mann.
Die Zeit bis zur Bescherung abends um 18.00 Uhr fiel mir sehr schwer zu überstehen und wollte überhaupt nicht vergehen.
Allerdings durfte ich schon am Morgen die Radiosendung im RIAS für Kinder verfolgen.
Das war der "Onkel Tobias mit den RIAS Kindern". Da hörte ich begeistert und beschäftigt für eine Stunde zu was der Kasper so zu Weihnachten erlebte.
Irgendwann, so nach dem Mittagessen kam die alte Dame, die bei uns auf dem Flur mit lebte, den Korridor entlang geschlurft und brachte mir Abwechslung mit einem Geschenk dass der Weihnachtsmann bei ihr hinterlassen hatte. Ich glaubte sehr lange noch an den Weihnachtsmann.
Es war immer ein schönes Mädchenbuch. Wieder war ich für eine Stunde beschäftigt, denn ich las sehr schnell.
Die Zeit bis zur Bescherung wollte und wollte überhaupt nicht vergehen.
Als Einzelkind das ich war, fand sich an diesem Tag auch niemand zum Spielen. Selbst meine Freundin Brigitte, die im anderen Aufgang wohnte hatte keine Zeit für mich.
Nicht mal meine Mutter, konnte ich dazu bewegen eine Runde Friseur mit mir zu spielen.
Am Heiligen Abend war sie durchweg beschäftigt.
Endlich kam ein bisschen Abwechslung. Mein Vater holte den Weihnachtsbaum vom kalten Kinoboden, der vom Korridor zu öffnen war.
Er sägte den Baum zurecht, stellte ihn in den mit Wasser gefüllten Ständer und brachte die Stearin - Kerzen an die Tannenzweige. Nicht ohne zu vergessen, den mit Wasser gefüllten Emaille- Eimer bereitzustellen.
Danach zauberte meine Mutter den uralten Christbaumschmuck und das Silberlametta aus der äußersten Ecke des Schlafzimmerschrankes hervor.
Das Lametta wurde nie neu gekauft. Immer lag es fein ordentlich mit einem Wollfaden zusammen gebunden von einem zum nächsten Jahr in einem kleinen Pappkarton.
Auch die Silbervögel, die Glöckchen und wunderschönen Glaskugeln kamen aus einem Karton, auf dem die Preise noch in Reichsmark angegeben waren. Die Wegwerfgesellschaft war noch nicht geboren.
Ganz vorsichtig wurde nun der Christbaumschmuck von meinen Eltern gemeinsam angehängt.
Die Spannung stieg ins Unermessliche. Aber als mein Vater dann sagte, er ginge mal noch kurz zu Herrn Spielhagen in den unten im Haus gelegenen Tabakladen um Zigaretten zu holen, da wusste ich, lange konnte es nicht mehr dauern bis der Weihnachtsmann kam.
Aber ich ermahnte meinen Vater jedes Jahr immer wieder aufs Neue doch dieses Mal bitte rechtzeitig wieder bis zur Bescherung zurück zu sein.
"Horch... sagte meine Mutti, hörst Du das Glöckchen? Es läutet beim Ralf nebenan".
Ralf war der kleine Junge der bei seinen Großeltern im Aufgang II unseres Hauses wohnte und deren Wohnzimmer an unser Badezimmer grenzte." Da ist jetzt gerade der Weihnachtsmann angekommen, gleich ist er bei uns".
Dann klopfte es draußen an der Wohnungstür und meine Mutti löschte das Licht im Wohnzimmer und der Weihnachtsmann trat ein.
Zitternd vor Aufregung sang ich mein mit der Mutter eingeübtes Lied oder sagte mein Gedicht auf.
Dann wurde meine Mutter gefragt, ob ich denn auch immer artig gewesen sei. Ja, das wäre ich immer gewesen.
Und dann durfte ich die Geschenke aus dem großen Sack holen.
Und obwohl ich ein Einzelkind war, ich wurde nie überhäuft mit Geschenken.
Es gab immer ein großes Geschenk, wie eine Puppe oder einen Kaufmannsladen und einen bunten Teller. Auch ein großes Bücherpaket war jedes Mal dabei. Das kam von meiner Tante aus Leipzig, die in einer großen Buchhandlung arbeitete.
Nach der Bescherung war dann auch plötzlich mein Vater wieder erschienen und begeistert zeigte ich ihm meine Geschenke.
Danach gab es wie in Berlin üblich, Kartoffelsalat und Würstchen. Wobei zu damaliger Zeit Würstchen wirklich etwas Besonderes waren.
Dann durfte ich lange, lange an diesem besonderen Abend aufbleiben und mit meinen neuen Geschenken spielen.
Viel später, mein Vater hörte aufmerksam eine Sendung im Radio und meine Mutter, aufgewachsen zwischen zwei Religionen, machte sich mit mir kurz vor Mitternacht auf den Weg in die Katholische Kirche zur Christmette.



Das kleine Mädchen bin natürlich ich. Der Weihnachtsmann mein Vater. Und natürlich meine Mutti und ich. Auf dem letzten Bild trage ich einen Pappweihnachtsmann durch die Strassen. Ich liebte ihn über alles.
Gefällt Euch diese Geschichte, so hab ich noch ein paar mehr.
Das Haus mit dem Primus Palast in dem die Karriere des Gustav Gründgens begann. Nach dem Krieg wurde der Primus Palast dann ein Kino.
Genau davor fand in der Vorweihnachtszeit der Verkauf von Weihnachtsbäumen statt.
Am Tag vor Heiligabend holte mein Vater den Baum herauf in unsere im 3. Stockwerk gelegene Wohnung.
Er hatte ihn sich vom Händler reservieren lassen. Aber da wir keinen Balkon hatten, blieb er halt dort unten stehen bis er gebraucht wurde. Man hatte ein gutes Verhältnis zueinander. Ab und zu wanderte mal eine Thermoskanne mit heißem Muckefuck oder Tee zu dem durchgefrorenen Mann.
Die Zeit bis zur Bescherung abends um 18.00 Uhr fiel mir sehr schwer zu überstehen und wollte überhaupt nicht vergehen.
Allerdings durfte ich schon am Morgen die Radiosendung im RIAS für Kinder verfolgen.
Das war der "Onkel Tobias mit den RIAS Kindern". Da hörte ich begeistert und beschäftigt für eine Stunde zu was der Kasper so zu Weihnachten erlebte.
Irgendwann, so nach dem Mittagessen kam die alte Dame, die bei uns auf dem Flur mit lebte, den Korridor entlang geschlurft und brachte mir Abwechslung mit einem Geschenk dass der Weihnachtsmann bei ihr hinterlassen hatte. Ich glaubte sehr lange noch an den Weihnachtsmann.
Es war immer ein schönes Mädchenbuch. Wieder war ich für eine Stunde beschäftigt, denn ich las sehr schnell.
Die Zeit bis zur Bescherung wollte und wollte überhaupt nicht vergehen.
Als Einzelkind das ich war, fand sich an diesem Tag auch niemand zum Spielen. Selbst meine Freundin Brigitte, die im anderen Aufgang wohnte hatte keine Zeit für mich.
Nicht mal meine Mutter, konnte ich dazu bewegen eine Runde Friseur mit mir zu spielen.
Am Heiligen Abend war sie durchweg beschäftigt.
Endlich kam ein bisschen Abwechslung. Mein Vater holte den Weihnachtsbaum vom kalten Kinoboden, der vom Korridor zu öffnen war.
Er sägte den Baum zurecht, stellte ihn in den mit Wasser gefüllten Ständer und brachte die Stearin - Kerzen an die Tannenzweige. Nicht ohne zu vergessen, den mit Wasser gefüllten Emaille- Eimer bereitzustellen.
Danach zauberte meine Mutter den uralten Christbaumschmuck und das Silberlametta aus der äußersten Ecke des Schlafzimmerschrankes hervor.
Das Lametta wurde nie neu gekauft. Immer lag es fein ordentlich mit einem Wollfaden zusammen gebunden von einem zum nächsten Jahr in einem kleinen Pappkarton.
Auch die Silbervögel, die Glöckchen und wunderschönen Glaskugeln kamen aus einem Karton, auf dem die Preise noch in Reichsmark angegeben waren. Die Wegwerfgesellschaft war noch nicht geboren.
Ganz vorsichtig wurde nun der Christbaumschmuck von meinen Eltern gemeinsam angehängt.
Die Spannung stieg ins Unermessliche. Aber als mein Vater dann sagte, er ginge mal noch kurz zu Herrn Spielhagen in den unten im Haus gelegenen Tabakladen um Zigaretten zu holen, da wusste ich, lange konnte es nicht mehr dauern bis der Weihnachtsmann kam.
Aber ich ermahnte meinen Vater jedes Jahr immer wieder aufs Neue doch dieses Mal bitte rechtzeitig wieder bis zur Bescherung zurück zu sein.
"Horch... sagte meine Mutti, hörst Du das Glöckchen? Es läutet beim Ralf nebenan".
Ralf war der kleine Junge der bei seinen Großeltern im Aufgang II unseres Hauses wohnte und deren Wohnzimmer an unser Badezimmer grenzte." Da ist jetzt gerade der Weihnachtsmann angekommen, gleich ist er bei uns".
Dann klopfte es draußen an der Wohnungstür und meine Mutti löschte das Licht im Wohnzimmer und der Weihnachtsmann trat ein.
Zitternd vor Aufregung sang ich mein mit der Mutter eingeübtes Lied oder sagte mein Gedicht auf.
Dann wurde meine Mutter gefragt, ob ich denn auch immer artig gewesen sei. Ja, das wäre ich immer gewesen.
Und dann durfte ich die Geschenke aus dem großen Sack holen.
Und obwohl ich ein Einzelkind war, ich wurde nie überhäuft mit Geschenken.
Es gab immer ein großes Geschenk, wie eine Puppe oder einen Kaufmannsladen und einen bunten Teller. Auch ein großes Bücherpaket war jedes Mal dabei. Das kam von meiner Tante aus Leipzig, die in einer großen Buchhandlung arbeitete.
Nach der Bescherung war dann auch plötzlich mein Vater wieder erschienen und begeistert zeigte ich ihm meine Geschenke.
Danach gab es wie in Berlin üblich, Kartoffelsalat und Würstchen. Wobei zu damaliger Zeit Würstchen wirklich etwas Besonderes waren.
Dann durfte ich lange, lange an diesem besonderen Abend aufbleiben und mit meinen neuen Geschenken spielen.
Viel später, mein Vater hörte aufmerksam eine Sendung im Radio und meine Mutter, aufgewachsen zwischen zwei Religionen, machte sich mit mir kurz vor Mitternacht auf den Weg in die Katholische Kirche zur Christmette.



Das kleine Mädchen bin natürlich ich. Der Weihnachtsmann mein Vater. Und natürlich meine Mutti und ich. Auf dem letzten Bild trage ich einen Pappweihnachtsmann durch die Strassen. Ich liebte ihn über alles.
Gefällt Euch diese Geschichte, so hab ich noch ein paar mehr.

Ursula- Anzahl der Beiträge: 385
Alter: 64
Ort: Berlin
Anmeldedatum: 11.12.10
Re: Kindheitserinnerung an Weihnachten.
Eine schöne Geschichte, Ursula! Man wird richtig hineingezogen.
Daß Du schon als Kind viel gelesen hast, erinnert mich an die Pisa-Studien und an die heutige Leseschwäche der deutschen Kinder und Jugendlichen. Leider wird heute kaum mehr gelesen und das bißchen im Internet verdirbt eher noch das Sprachgefühl, da viele nur ihr Chattern abliefern ... oder sollte man Stottern sagen.
Immer noch lesen Mädchen viel mehr als Jungen und sind ihnen um Klassen voraus - Jungen spielen angeblich lieber
- aber sie haben doch gar keine Puppen (die Jungen).
Wenn man die Ergebnisse der Pisa-Studien in punto Lesefähigkeiten nach Geschlechtern getrennt ausweisen würde, so wären die deutschen Mädchen in der Spitze aller untersuchten Nationen zu finden.
Die deutschen Mädchen sind einfach Spitze!
Bei meiner Mutter gab es an Heiligabend und an Silvester auch immer ganz einfaches Essen ... und immer das gleiche: Sauerkraut und Gselchtes. Das ist Schweinernes, geräuchert und ungeräuchert. Dazu gab es immer Glühwein. Durch das lange Erhitzen und Stehen auf dem Herd war natürlich kein Alkohol mehr drin.
Gegen 23 Uhr sind wir dann auch immer in die Christmette gestapft ... meist durch tiefen Schnee ... im Pfälzer Wald. Am besten hat mir dabei gefallen, die Leute um mich herum zu beobachten
... ihre mehr oder minder große Schläfrigkeit ... und den Weihrauch zu inhalieren.
Daß Du schon als Kind viel gelesen hast, erinnert mich an die Pisa-Studien und an die heutige Leseschwäche der deutschen Kinder und Jugendlichen. Leider wird heute kaum mehr gelesen und das bißchen im Internet verdirbt eher noch das Sprachgefühl, da viele nur ihr Chattern abliefern ... oder sollte man Stottern sagen.
Immer noch lesen Mädchen viel mehr als Jungen und sind ihnen um Klassen voraus - Jungen spielen angeblich lieber
- aber sie haben doch gar keine Puppen (die Jungen).Wenn man die Ergebnisse der Pisa-Studien in punto Lesefähigkeiten nach Geschlechtern getrennt ausweisen würde, so wären die deutschen Mädchen in der Spitze aller untersuchten Nationen zu finden.
Die deutschen Mädchen sind einfach Spitze!
Bei meiner Mutter gab es an Heiligabend und an Silvester auch immer ganz einfaches Essen ... und immer das gleiche: Sauerkraut und Gselchtes. Das ist Schweinernes, geräuchert und ungeräuchert. Dazu gab es immer Glühwein. Durch das lange Erhitzen und Stehen auf dem Herd war natürlich kein Alkohol mehr drin.
Gegen 23 Uhr sind wir dann auch immer in die Christmette gestapft ... meist durch tiefen Schnee ... im Pfälzer Wald. Am besten hat mir dabei gefallen, die Leute um mich herum zu beobachten
... ihre mehr oder minder große Schläfrigkeit ... und den Weihrauch zu inhalieren.

digame- Anzahl der Beiträge: 10420
Anmeldedatum: 19.01.09
Re: Kindheitserinnerung an Weihnachten.
Ja, ich war eine richtige Leseratte. Als Adoptivkind und schüchternes Einzelkind wurde ich sehr verwöhnt mit Liebe und sehr viel Zuwendung. Allerdings nie mit materiellen Dingen.
Zu meinen absoluten Lieblingsschriftstellern aus dieser Zeit gehörte unbedingt Erich Kästner. Seine Kinderbücher habe ich geradezu verschlungen.
Allerdings waren sie im Vergleich zu anderen Büchern von Kinderverlagen sehr teuer und so gab es sie nur zu besonderen Festtagen.
Auch als ich viel später in Ägypten lebte habe ich über 500 Bücher mitgenommen. Ein Drittel davon waren Kinderbücher. Und dazu noch eine Mundharmonika.
Ich fand es so wichtig meinen Kindern deutsche Kultur zu vermitteln.
Wenn ich heute sehe wie eigentlich gar nichts mehr von vielen Eltern vermittelt wird, dann stimmt mich das traurig.Da spielt nur noch die DVD und der Fernseher eine Rolle und das Wii- Sport-Programm. Wie arm ist das doch.
Wie reich waren wir doch da ohne viel Geld.
Zu meinen absoluten Lieblingsschriftstellern aus dieser Zeit gehörte unbedingt Erich Kästner. Seine Kinderbücher habe ich geradezu verschlungen.
Allerdings waren sie im Vergleich zu anderen Büchern von Kinderverlagen sehr teuer und so gab es sie nur zu besonderen Festtagen.
Auch als ich viel später in Ägypten lebte habe ich über 500 Bücher mitgenommen. Ein Drittel davon waren Kinderbücher. Und dazu noch eine Mundharmonika.
Ich fand es so wichtig meinen Kindern deutsche Kultur zu vermitteln.
Wenn ich heute sehe wie eigentlich gar nichts mehr von vielen Eltern vermittelt wird, dann stimmt mich das traurig.Da spielt nur noch die DVD und der Fernseher eine Rolle und das Wii- Sport-Programm. Wie arm ist das doch.
Wie reich waren wir doch da ohne viel Geld.

Ursula- Anzahl der Beiträge: 385
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